Vandalen

20. Januar 2012


bravo

19. Januar 2012


von x

17. Januar 2012

Auch dieser Actionfilm war so ein Heckmeck, ohne dass X sich erhob, ihn vorzeitig zu verlassen. Schnellschüsse, Explosionen, auf Überwältigung setzend statt auf Bedenkbares. Grobschnittig Männer wie Frauen und flach ihre Rede. Später beim Kaffee wurde X klar, dass es nicht um das Abstreifen von Mann-Frau-Mänteln ging, sondern vielmehr um das Abwerfen des ganzen Menschenanzugs. Könnte man ohne das zum Eigentlichen kommen? Das Flattern der Elektronen im Tisch, im Becher: All diese verruchten, gesegneten Nichtigkeiten, in denen etwas aufglänzte und verschwand. Es musste doch gelingen, so X, dieses Milchglas zu sprengen und überzuspringen in …


Ein Outlet…

1. Dezember 2011

An outlet. You run around in it. Bent like
a question-mark, to wherever hunger finds you:
imagined air in an imagined world with
the enchantment of fat bellied travel bags
in which the candy of chemical firms foams.
High Adventure Experience, how they love that. So
girlies on glittering heels cross, knock
cigarettes into your face, perverse pig. How nervously
one apprehends the world. As though it mattered.

(Übersetzung ins Englische: Tamara Ralis, www.beings.de
Gedicht aus Sabina Lorenz: „Echos für eine Nacht“, Lyrikedition 2000, 2010)


es ist wie mit dem eimer und dem stroh …

27. November 2011

it’s like with the pail and straw

nothing goes right any more

 

her room calls itself world

full of woe, full of wall and will

 

the crooked furniture

the five minute facial

 

the panic struck move to the mouth

then it’s overcome

 

and the dismemberment

done: the little duck, I

 

sits in the wolf and broods

 

 

(Übersetzung ins Englische: Tamara Ralis, www.beings.de;

Gedicht aus Karin Fellner: „hangab zur kehle“, yedermann 2010)


Heart Chor

22. November 2011

1

Samstagnacht fällt auf die Ausschwärmenden Regen,
sichtbar im weißen Licht der Straßenlaternen. Nur Pfützen
spiegeln fremdgewordene Häuser, als gäben sie ihnen
ein neues Gesicht. Als wär das alte verschwunden, da
ich soeben nicht hinsah. All das gelingt der Schwerkraft.
Wollen wir Winterschlaf? Das Geheul des Martinshorns
ein paar Straßen weiter. Hier torkeln Betrunkene wie
ertrinkende Vögel, noch mit den Flügeln schlagend und
Fehler machend in diesem Tanz.

2

Führten uns nicht die Möglichkeiten, die sich aus unseren
Fehlern ergaben, zueinander? Und dann der Tagmond,
das Hundsgeheul, die Echos, und jedesmal kommt weniger
von mir wieder heraus. Keine Interpretation, doch:
erträumen wir den, der uns wieder unschuldig werden lässt?
Grab ein Loch in den Nachthimmel, Insomnia, wo
südlicher vereinzelt Sterne stehen. Entfernte Ursachen,
der weiße Atem eines alten Schreis. Kein Zeugnis,
das ist es, was bleibt.

3

Das ist es, was sich entblößt, kältere Schichten auf nassem
Asphalt, umflackert von wildem blauen Licht. Doch
zum Menschen gehört mehr, als das, was ihm geschieht.
Nimm dies Züngeln der porösen Tage: Karaoke am Ostbahnhof
girl, I wanna make you sweat. Ein Stadtstreicher, schon
die halbe Nacht herumgeirrt, hat seine Gedanken satt. Und du.
Traust du dich, ich zu sagen? Verschanzt du dich
hinter einer dritten Person? Benutzt du den Infinitiv?
Im Spiegel steht jemand, der soeben hereingekommen ist.

(Sabina Lorenz)


smoke or snow?

11. November 2011


Wenn ich eins wär mit den Dingen

10. November 2011

So wie die Wolken sich türmen dieser Tage, schon
fängt es zu regnen an, und wenn ich eins wär
mit den Dingen würde ich bestehen. Ein Picknick,
zweifellos. Ein Spielplatz und ein Kuscheltier. Wär
ich eins mit den Dingen, wüsste ich um deren
Wichtigkeit. Schultüten und Geburtstagskuchen. Ohne
nach der Form zu fragen, auszuloten die Diktion.
Den Raum erhalten, der da ist Umhegen und umhegt
im Glück, geleitet von Zeugnissen, dem Budget, das
vorn und hinten nicht reicht, Stratuswolken, Halogone
überm Klettergerüst. Wär ich eins mit den Dingen, hätte
ich einen Schirm zur Hand, und dann

(Sabina Lorenz)


die menschenzeit

8. November 2011

die menschenzeit geht vorbei

morst der tauber so weiß

so wissend mit seinem linken

auge die dunklen motoren-

wälder werden bald fallen

und nur mehr phantomschmerz sein

 

lässt der asphalt sich denken

als vergangenheit als

hartriegel? hörst du es knacken?

 

die lautheit der zweibeiner

umgekehrt proportional

zur lauterkeit des wassers

wird gewesen sein ein

fernes getrommel [*draum-a]

 

(karin fellner)


Epilog für eine Katze

4. November 2011

Kein Wehren mehr. Nur legt sie nochmal ihren Kopf
in meine Hand, während das aufsteigende Dunkel ihr
die Luft abdrückt, und hält ihre Pfote meine Finger fest.
Halten will ich, halten, Traumfänger sein, dies eine Mal
ich für sie. Und wären wir beide noch mal jung und wärs
das anstehende Kapitel, würd’ ich Schlupflöcher finden als
gings ums Ganze, durch den Frühling jagen in einer endlosen
Gelegenheit, wie dieses fremde Parfüm in ihrem Fell, das
sie nie erklärt’, Bewegung, Spiel, ganz Charme, nicht
letzter Gruß, Geflüster, geschnurrt, abgerungen
dem Ersticken, und die Augen weit und groß zur Sonne hin,
Jägerin, die das verbleibende Licht noch bricht im Gewahren
der Nadel, gegen die es neunzehn Jahre und kein Wehren
mehr gibt, keins. Letzte Logik des Körpers, der sich befreit
von allem, was überflüssig ist, Pochen, Zucken, Wärme
und Schemen zuletzt, Stunde um Stunde, als stünde
sie wieder auf, als hielte ich sie doch wach an diesem Ort,
aus dem es nur einen Ausgang gibt. Du darfst liegen
bleiben. Du darfst liegen bleiben.

(Sabina Lorenz)


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