statt stau

statt stau wünschst du dir beim abwasch
aura zu hören aus
dem stimmkoffer und dass jemand
spräche vom reizenden scheitern
an unübersetzbaren welten:

flackernde laubgehäuse
eine schwimmschule wolken
blankenese! oder
lausbubenlüftchen dies
pyjamahafte flattern

(karin fellner, aus: „hangab zur kehle“, yedermann Verlag 2010)
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liebe in einkaufszentren

liebe in tiefgaragen liebe auf parkdecks
liebe auf rolltreppen liebe in flucht
treppenhäusern liebe bargeldlos und rein

spirituell liebe platonisch und luhmännisch
liebe frei nach gödel liebe nach lacan liebe
liebe frei nach newton nach einstein

liebe vor den hausaufgaben vor der nachspeise
liebe vor dem 19. jahrhundert liebe vor voyeuren
liebe vor mauern und wänden liebe mit vorwand

liebe frei nach goethe kafka freiligrath liebe
freilich nach lust und liebe mit der fernbedienung
liebe auf den ersten und letzten blick

liebe wenn ich mal groß bin liebe inflationär
stets vor dem leben und nach dem tod liebe
ach liebe auf litfasssäulen und kinoplakaten

liebe vor allem liebe an der zweiten kasse
liebe im supermarkt vor dem getränke regal
liebe vor der flaschenrückgabe liebe leser

(Armin Steigenberger)

Text als Hördatei:

liebe%20in%20einkaufszentren%20%28armin%29.mp3

wie talg und seife

wie talg und seife der frisch
nach außen gestülpte balg
der erde aromatisch

selbst im innersten viertel
riecht es nach dünger grün
kommt der paarhufer
in dir ans ufer der augen

fährt zitternd die lippen aus
das knackige zeug zu verkosten
zwischen stein hinter glas
containern am rand

der hauptverkehrszeiten wird
die iris schwarz giraffe
neben graffiti schlingst
du deine zunge so

schleifpapierzärtlich um
knospen die
ohren gespitzt

(karin fellner, aus: „hangab zur kehle“, yedermann Verlag 2010)

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Traum

Ich bin nur noch selten hier. Wenn ich
nachts zwischen den Steinen nach
Nahrung suche oder Tautropfen in den
Grünstreifen, die ums Haus laufen.

Ich höre den Wolken zu, wenn sie
mit einiger Verspätung über den Himmel
ziehen und ihr schleifendes Geräusch
den Fahrtwind begleitet, den sie lieben.

Von Zeit zu Zeit finde ich Wasseradern.
Ihre Netze haben rautenförmige Maschen
und verlaufen von Süden nach Norden.
Ich stelle mein Bett unter eine Birke.

Auch bei Vollmond schlafe ich unter
ihren silbernen Blättern. Ungestört von den
Strahlen oder Sternschnuppen, denen ich
meine Wünsche hinterher rufen müsste.

In manchen meiner Träume kommen Zäune
oder Mauern vor, auf denen ich Käfer sehe
oder Raupen, die nach oben kriechen.
Denn meine Nachtsicht ist grenzenlos.

(Markus Breidenich)

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