#Orlando

Lass uns wandern, ein Sprung durchs Feuer
vor dem nächsten Schnee, die Zukunft liegt
auf der anderen Seite, fortlaufende Schleife
aus Aufruhr und Wiedergeburt. Dort treffen
wir kleine Vögel inmitten Irisblüten, regen-

bogenfarben, und Staub,

gottlos, diese Stadt ohne Hass, eingebunden
in galaktische Federwolken, wo wir rätseln
über Artefakte, die uns unserer Menschlichkeit
beraubten, behauptend, dass irgendein Gott
auf ihrer Seite stand. Code □ m □ w als

Lebensmuster, ausgemustert

die Unbestimmten, Zeugnisse einer Zeit
der willkommenen schäbigen Gefühle. Hass®
als eingetragenes Warenzeichen. Was sahen
sie, die Beifall klatschten? Sportficken, Massen-
morde, Kriege, bestehend aus Unterwerfung,

Angst und Tod, der Rest war Bürokratie.

Wir waren wieder jung, vergaßen, dass die Welt
nicht so verliebt in uns war wie wir ineinander.
Wir träumten von Namensgebung. Vom Gebären
als menschlichem Akt. Von Angleichung der Stern-
bildgrenzen. Von Staub. Wir erwachen erneut

im andern Geschlecht.

Selbstvergeudung über Epochen, Sprünge
durchs Feuer. Geisterchor der Möglichkeiten,
zeitlos fremd. Eine Burlesque. Ein Ruhepunkt
im Regen. Ein 300jähriges Leben als innigster
Liebesbeweis. Wie wilde Vögel füttern.

Weiter tanzen.

 

Taufliege, du Modell-

 

Taufliege, du Modell-
Organismus im Glas!

Durchgriffig wirst du wie Organigramme, wirst
wachsen (*grō-a-) im Kopf der Reporter, voll
mystischem Hunger auf
die süße Furcht, ihren Saft.

Du Rauch von starcken Winden
kommst über Institute,
bildest Mosaike auf ihren Schädeln und
Intersexe, komplex-

äugig, überfällig,
sancta Drosophila.

 

(Karin Fellner)

Bar Rendez-Vous, Massari, Rhodos, Griechenland, 13.05.2016

Orangenbäume sind hier andere Spielarten des Berufsverkehrs als negatives Branding, hier wohnt man nahe der Fleischtöpfe noch im Einraumhaus wird zwischenbilanziert: gut erholt vom Frühwerk sitzen wir träge seit Lessing zwischen den Dorfältesten und den fitnessgecenterten Jungstars wächst etwas Gras.

Auf Zähnen und Zungen schreiben sie hier andere Zeichen und Wunder als in Sirtakitown und der mit der Zeitung at the gates of dawn weiß, wie rum die Supermärkte flugs nachwachsen.

Eine gesunde Entwicklung wäre es, beim Wort „Mittelmeer“ Salz auf alle Wunden zu spüren, wenn die Fluchtbewegungen nur Kurztrips erlauben und die Einheimischen ihr Land an die Granden der EU verlächeln qua Scherbengericht sind wir alle Fremdkörper im eigenen Fleisch.

Die Grenzen der EU verlaufen quer durch Schlepperland, die Spatzen pfeifen es aus allen Ländern: Inflation, Staatsverschuldung und andere weltweite Heuschrecken, die schwarze Flecken ansetzen, verteilen sich ungleichmäßig zu einem Rendezvous im Plastiksackerl, nur Gurken und Zwiebeln werden genormt und gewormt aus allen EU-Löchern morpht uns ein implizit morsches System Sonne in den Backofen.

Ich nütze die Zeit in der Seifenblase, um ein wenig pinker die Gläser der Brille und herzförmig alles verkauft für den Weg zu mehr Popularität.

Wer jetzt keinen Sonnenschirm hat, kehrt heim ins pauschale Perpendikel und trottet weiter in seinem Befindlichkeitsgeschwurbel unter der vergessenen Mütze.

Wer jetzt keinen Kaffee mehr hat, zahlt die Zeche in seinem endlichen Geschichtsbewusstsein, wo er hochnaiv und zahnlos sich ziert.

An genau dieser Kreuzung tappen wir in die Diskursfalle, fangen uns dabei ein Haifischmaul und globalen Denkschnupfen ein: Let it bleed!

(2fell)

 

ǂ

unser Schauplatz: streifig, wüst, hyperaktiv
nebeneinander gedrückt und wider die Flächenspannung
Blasen, motus aquatus, sich über-, umschlagend

zugunsten welcher warf die oder der das Los
in Schaum, multi sermones, scharfrot und welche Akzente
liegen zwischen dem Über- und dem Entsetzen?

des Plurals helles Gelände
Arme voll kleiner Federn
o flumine navigo ǂ

(Karin Fellner)