Zynikerzyklus, I

Wieder zwei Bohrinseln über den Wolken

Die Sonnenölförderung
nimmt Überhand

Du sagst
statt Kohle in Windanlagen zu stecken
sollten wir baden gehen

Alles ein Treibhaus glaube ich
Agro

Die Kühe sind groß geworden mit Biogas

Jedes Dixi-Klo am Wegrand
ein schallisolierter Ackerbau
gegen den Megafurz in der Landschaft

Wenn einer hier einen fahren lässt
dann nur mit E10

Meine Forderung
Alle Rinder auf Halbmast

Angesichts der Lage der Menschheit
zwei Schweigeminutensteaks

In einer unserer Sprechstunden
sitzen wir ausdruckslos vor dem Schirm
Ein innerer Stimmapparat der meint
es sei spät geworden zu reden
Wenn wir Lehnwörter sagen wie
grenzenlos
oder Fenster
Von den Lippen gelesene
Musterlösung
Wie man daliegt mit Übungsblättern
vor halbgeöffnetem Mund
Die Luft
über den Bändern
gereizte Waldaufnahme mit Zweigen
Für das Leben lernen heißt
Sätze formen wie
Sanft wiegen Gräser sich
Sie biegen sich leicht oder
Es geht
Dann aufgeschlagene Lider
Von Wachphase zu Wachphase
das Mantra vom Hinter den Bildern Sein
wenn jemand Lilie sagt oder Kreuz
Pausenlos
Wie wir Quellenangaben hinterlassen
Wo andere sagen
Außer der Liebe nichts oder
Stufen
Wir schreiten
solange uns niemand versteht
Wir suchen
wenn wir mühelos meinen
nur das Wolkenlose daran

Studierzimmer

Hast du nun ach
Haben wir
ne Take Home Message nach allem
Was man mitnehmen könnte
aus diesen Small Talks
übers Landleben oder
Mikroben im Meer

Nicht auf den Leim gehen
würd ich sagen
Nur noch lose am Irdischen kleben
Ein Fleckchen Erde hier eins da
Was dieses Zeug
im Innersten zusammenhält
mal bröseln lassen

Erntedank

Innerlich unausgelastet
der Landlust ergeben
Rüben zu pflanzen

Flüchtig
verfolgen mich
Schreckensnachrichten

Von Schnecken im Garten
welche Rohkostgemüse
fressen

Wovon also leben
Meine brotlose Kunst
Verse zu schmieden solange sie heiß sind

ernährt keine kalten Seelen
Alleine mein Land
seine unscheinbaren Mauern

geben zu denken und zu essen
Auch ich habe im Außenhandel
mit Menschen zu tun

Import/Export Mein Slogan
Wir haben nur diese eine Welt
nur sitzen wir nicht im selben Boot

Mein Hunger der mich
samstags auf die Straße treibt
zeugt von Mitgefühl

Im Supermarkt
für kleine Arschlöcher
kaufe ich Biosalat

Bessere Welt ?

Bessere Welt ?

Galaxie M31 in 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung, Sternbild Andromeda (8×10 Minuten Belichtung mit Canon EOS 450D, ISO 800, an Skywatcher ED80 auf EQ6, Nachführung mit Lacerta Mgen Autoguider; Foto: Markus Breidenich, September 2013)

analyse

die welt
wie wir sie kennen
heißt mit vornamen
scheiß

wenn man zu ihr kommt
dann stinkt es zum himmel

schon am eingang merkt man
dass es ein scheißhaus ist
in dem sie wohnt

aber die welt stört das nicht
weil alles
was sie draußen
durch ihre klobrille sieht

genauso beschissen ist

Ich lebe bei drehendem Wind linksherum in den Tag.
Die Luft, die einen berührt. Man muss sie sich vorstellen,
eine Fata Morgana der Nähe, wie die Außenhaut eines
Menschen, der einem von Weitem aus den Händen liest.

Nichts, wenn man einmal im Jahr auf Reise geht, ist so
schön über den Wolken wie die Lebenszeichen im Eis.
Kristalle hinter den Scheiben mit einem Hauch von Staub,
die einem die Sicht nehmen, wenn man nach vorn schaut.

Tragflächen. Was einen sanft in den Händen hält,
sind die Strömungslinien zwischen den Zeilen. Meine
federgeschriebenen Kurzgeschichten. Fremdsprache.
Es bedeutet mir nichts, wenn jemand aus meinen Augen

etwas anderes liest als das Nachwort einer Postkarte.
In der Grauzone meiner Iris bin ich unscheinbar. Nichts
steht da über meine Ansichten. Ein offenes Geheimnis im
Palmenmeer. Zu Hause, in meinem Rücken, liegt Sand.

kurznachricht

totalitäre system-
administratoren!

nehmt
diese umzugspakete
auf eure speicher

unsere wohnungen
(die unverletzlichen ;-))
lassen wir
unverschlüsselt zurück

wir leben von nun an
im freien

Lebendgebärden

Wir Zeichensprachler. Geboren
in aller Stille. Im
Handbuch der Wörter
steht alles über die Zeiten.
Ihre Stundensätze
zwischen den Fingern.
Bis zu den Endungen
auf der Innenseite der Haut.

(Markus Breidenich)