Traum

Ich bin nur noch selten hier. Wenn ich
nachts zwischen den Steinen nach
Nahrung suche oder Tautropfen in den
Grünstreifen, die ums Haus laufen.

Ich höre den Wolken zu, wenn sie
mit einiger Verspätung über den Himmel
ziehen und ihr schleifendes Geräusch
den Fahrtwind begleitet, den sie lieben.

Von Zeit zu Zeit finde ich Wasseradern.
Ihre Netze haben rautenförmige Maschen
und verlaufen von Süden nach Norden.
Ich stelle mein Bett unter eine Birke.

Auch bei Vollmond schlafe ich unter
ihren silbernen Blättern. Ungestört von den
Strahlen oder Sternschnuppen, denen ich
meine Wünsche hinterher rufen müsste.

In manchen meiner Träume kommen Zäune
oder Mauern vor, auf denen ich Käfer sehe
oder Raupen, die nach oben kriechen.
Denn meine Nachtsicht ist grenzenlos.

(Markus Breidenich)

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