Cooking TV

Ein Auge haben / auf das Sterben und Arbeiten gleichzeitig
da würde es vielleicht helfen (weil sich kaum was kräuselt
weil keine Wellenringe schlagen) ein gekonnter Steinwurf
mitten hinein / in die Bilderflut / danach schweben wir
wie die Fakire über die Flatscreenscherben durch das
zum Schweigen Gebrachte hinweg / Später fallen unsren
erschrockenen Kindern kübelweise Digital Versatile Discs
aus dem Mund / diese Spur witternd kreisen alsbald
die ersten Anheizer hungrig und frisch durch den Äther

Fooddesign

Passt mein Essen noch zu mir – und wie
verhält sich das junge
Gemüse zu meinen Sneakers?
Beißt sich nicht all das
Panierte mit meinem T-Shirt – und wie
beeinflusst eigentlich der Dampf der Fritteuse mein
Aftershave an den Wangen?
Ich glaube ich esse / heute einen Apfelbrei

zu meiner Frisur / mit einer Lebensmittelfarbe
bläue ich das Fleisch selten
gekreuzter schwedischer Hochleistungsschafe / und kombiniere
dies alles sanft mit meinen Sommerkontakt-
linsen / mein Kühlschrank ist jetzt innen / immer so lind-

grün / ich garniere ihn für eine Viertelwoche lang
mit Lollo-Rosso-Salaten / schenke sie später einigen
Cheerleadergirls zum Wedeln her / bin ich doch scharf
auf ein neues / weißes Gerät / ich suche da noch
nach einem spannenden Käse / einem stylischen
der meinem Kind Spaß machen könnte

Eucharistie

Worte wie Onenightstands / kamen mir / noch nicht in den Sinn / dennoch / ich erhob mich früh / aus den Kuchenbergen meiner Kommunion / träumte die Eiswaffel über dem Kinn / im Schatten der S-Bahnen von der schweißgestärkten Polyesterbluse der Tante die Schenkel nackt & billig darüber bedruckt von durchnäßten Sonnen / Scheine die ich ja hatte steckte ich ihr noch keine / ins Dekolleté doch der Weg hinüber wo es sich leben ließ / wie in heißer schwarzer Zuckerwatte blieb ein trübes Jahrzehnt lang mir noch Gespinst am Tisch / vor dem Abendbrot / aber den Anzug fix fremdbestäubt von verbotenen Stuyvesants da die Kerze der Morgen / messe lag vergessen und weiß wie geschnitten Fisch im Dunkel zwischen den Geschenkpapieren verborgen ließ ich blau / vom Kirchenwein im Nu meine Finger fahren unter der Tante Perückenbabel / Ach wie / sie sich da stahlen Heuschrecken an der Perlenschnur vom Tantenhals ab schnell in den erhitzten Süden lauschend ihrem an den Haaren herbeigezogenen Lächeln für die plauschenden Onkel

Mysterium

Mein Herz ist immer größer
geworden nicht weil
es wuchs / sondern weil in ihm
immer mehr
Herzen zu schlagen
begannen

Dieses Herz ist eine russische Puppe
eine Matroschka schlagender
Herzen geworden
bis es riss

Ich sehe das erst jetzt
in der Nähe des Luftschachts
nördlich der Pathologen

wie sie alle meine stillstehenden
Herzen vor sich
aufreihen
entnommen dem einen
das zu groß
für mich geworden

Überm Mundschutz
die Pathologen starren
auf ihr Besteck

Sie wissen nicht weiter

Traversale

Wenn sich versammelt die Jugend der Welt wollen
auch ein paar Alte nicht fehlen
sie vollbringen dafür
eine logistische Meisterleistung am Nachthimmel
tausende von Metern über uns
scharen sie sich in einem leuchtenden Punkt
kleiner noch als die Gluten
unserer Zigaretten lassen sie dort
zwischen den Tragflächen
die Pferde grasen eine Fracht
voller hufscharrender Hannoveraner glotzende
Wallache überschweben da die Längengrade
über Amsterdam bis Hongkong hin einst
abtransportiert aus der Warendorfer Quarantäne
um in China die Hufen zu swingen
über die Oxer oder zu den Klängen der Beach-Boys
Traversalverschiebungen in der Passage / Oh würden
über meinem Kopf ein paar Pegasusse
flattern sage ich mir da sich meinetwegen wiehernd
niederlassen an den Dachfirsten / denke ich mir
wäre das doch nachvollziehbarer

(Dominik Dombrowski)

Mammut

Vermutlich der Sanftmut der Tiergötter geschuldet
der Kadaver so unsagbar schön
und groß und fleischig
dass ihnen die ruhigeren Zeichen versagten ums Feuer
in der Stille sie schreien und tanzen mußten
vor Erschöpfung wohl sangen und dann sanken
sie hin aus den Fellen fallen
ihnen heute backstage die Stofftiere zu
denn das Schicksal ist so satt belichtet sind sie selbst
sich jetzt Götter genug
auf der Bühne lehren sie Ekstase sich spritzen suchen
des Morgens abgeblitzt asphaltiert die Fährte
der Boulevards verwehte Schlagzeilen die Klaviere
stehen leer like a Bridge im Flutlicht over troubled
Water Schweißbach hier Schweißbach da trocknet
auf die Bretter Performances
golgathische Knabenzeit darin vergehen
des Auditoriums Ameisenköniginnen
und auferstehen behind Permamentmakeup blue eyes
unter Starschnitten Freudenschreie geläutert
prompt ins Komponierte hier stirbt man ausnahms-
los nur noch aus Liebe kaum vorstellbar
dass sie jetzt alle da
stagedivende Tristane schielend der Schalmei
hinter den Headsets noch wellenschlagend
über Isoldens Nekropole
kaum vorstellbar dass da vor Zeiten die Alten noch
ununtermalt aus Hunger
und ohne Liebesrausch hatten gerissen ihr Mammut

(Dominik Dombrowski)

Sphäre der Flinken

Eine Zeitung in der Hölle Morgengebet / & die Krawatten Karawanen ziehen weiter Bilanz der letzte Dreck der Nacht links liebengelassen es schwappen die Schamwellen ins Büro unterm Teppich der Kehricht vom Gestrigen her / der Traum vom Einzigartigen unartig

im Brotrun den Gehaltstreifen im Sol / datenhirn all die bunten
Sekretärinnenfeuchtigkeiten abgeschminkt von Mon- bis Donner / Tag erst dann wieder Schwanzschwemme vor der aufgepixelten
Muh der Onenightkopf / stand auf stygischer Fahrt durch die Waschanlage wo der weiße Kragen bricht vorm inneren Schweine
hund doch Nehmer der Arbeit hat man sich / geglückt zu finden angesichts der kränkelnden Tunichtgute nach einer Woche Haltung

kreucht träufelnd das Sonntagsgift Sehnsucht nagend wie eine Hostie unter die Zunge in des Niebelheims Nische / liegt kalt im Doppelbett kaum die Dickmadam vielmehr der Akt Papier wie geleckt und zugeklappt ein Schrein / endlich mit den schlafenden Infanten vor denen man sich blaugekniet mit den Jahren vor lauter Gottesdienst eineinhalb Jahrzehnte die Rotzlöffel man schleicht xenophob & schizothym um ihre Zimmer und alles beleibt ohne Sinn

(Dominik Dombrowski)

Shanghait

Wie die Haie Kaine sind Abel die Delphine
machen philosophisch nicht Fisch
nicht Fleisch sie immer gute Miene
zum Bösenspiel von Floridas Zirkussen
shanghait aus den Küsten der Bahamas
degradiert zu grinsenden Tierdalailamas
werfen sie ihnen die Traumatisierten aus
Allerwelt in die Becken und dazwischen
sollen hüpfen sie in Ringe und Reifen
oder den Halbmond machen im Quader
überm Chlorwasser solange es geht
dafür hat man ihnen genagelt im Adler
ein Sternbild 80 Lichtjahre von hier das
als Spektralklasse F 5 IV am Himmel steht

(Dominik Dombrowski)