Wir übten doch nur

Wir übten doch nur. Wir arbeiteten am Vorwort.
Über den atomaren Winter wussten wir schon
mit acht Bescheid und klebten uns die Sonne
ins Fenster, wo sie für den Rest der Zeit blieb.
Dagegen kam kein Wetter an. Nicht wirklich.

Was hätten wir bei Umschwüngen auch tun
können? Endeten sie ohnehin im Untergang.
Damit kannten wir uns aus, duck and cover
wenn die Bombe kommt, ein Planspiel, bevor
wir an unserer eigenen Geschichte schrieben.

Mit Fernsehen. Dort erfuhren wir zu wenig, um
zu wissen, was wir wert sind. Suchten wir die
Welt zu retten, glaubten wir nicht daran. Doch
unser Interview mit einer Klasse Amokläufer
kam groß raus, was konnte für uns besser sein.

Alles war normal. Wir wiederholten nur, was
wir verstanden hatten, The Great Pretender,
das schon unsere Mütter sangen, den Rest
erledigten wir in der Warteschleife. The number
you have called is not available.

Dabei war Sommer. Hummelhintern. Hecken-
rosenblühen. Wir sahen den Liebreiz, wie
die Filifjonka, die an Katastrophen glaubte.
Wann sprachen wir mit uns selbst? Wann
lernten wir, im Schlafen zu vergessen?

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