Was vor Augen liegt

Was vor Augen liegt, verkehrt und wunderlich. Schnee
auf Brillengläsern. Aus Kanaldeckeln dampft der Atem
unterirdischer Riesen. Nicht freundlich, nicht feindlich.
Fächern sich die Konturen deiner Nachbarin. In Nässe
gesprochene Sätze, wie: Es ist kalt heute. So könnte
eine Matrjoschka entstehen. Mit der kleinsten Puppe
beginnend. Sie kassiere im Supermarkt. Wenn sie
nicht arbeitet, schläft sie, sucht ihren Traum. Kleine
Vögel, die sie nicht schützen kann. In Gedanken und
Namen schwirren sie im Raum, jeder ein Omen
im Schnabel. Kein Ort. Reflektierende Rückstände,
tags. Insgeheim wünscht sie sich ein Reservat, ein
Vogelschutzgebiet. Sagt in München kann man gut
ausgehen, ehe sie im Dampf verschwindet. Die ganze
Straße in kristallinen Tropfen rinnt. Auf den Dächern
versammeln sich Krähen. Schmieden Terrorpläne
gegen den Winter.

(Sabina Lorenz)

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