Würmsee, Juni

Der luftleere Raum über dem Balkon.
Ihr sammelt Pfauenfedern. Aus Eurer
Perspektive als Meeresbewohner und
Grundwasserbesitzer. Unterseeisch.

Nichts bleibt den Fischaugen an dieser
Wohnungstür verborgen. Auch das
Leben des Ganges ist aufrecht und hat
enganliegende Ohren. Ihr schwimmt.

Euer Tag ist von Wellen gezeichnet. Ein
auf- und absteigendes Wandern in
weitläufigem Rock. Eure Riffmaisonette
mit übriggebliebenem Treppenhaus.

Früher Ammonitenlook. Noch im Stil
alter Korallenbänke. Kalkweiße Wand.
Ihr haltet. Euch oft an Atlanten, wenn die
Urlaubszeit naht und die Kreuzfahrer

ihre Zeichen im Boden hinterlassen. Lange
vor den untergegangenen Mondvierteln
Eurer Heimatstadt. Auch Ihr liegt im Bad.
Ein wenig in der Sonne. Dann links im

Windschatten der Amseln neben den
Augenweiden mit vierblättrigem Klee.
Eure Algenvorhänge im Schlafzimmer.
In das Taglicht der Grünammern getaucht.

Es leben im Federkern Eures Bettzeugs zwei
fliegende Fische und Schwäne. Oft liegt Ihr
wach im Schloss vieler Träume. Darüber
der Trittlärm Eurer Verräter. Abenddämmern.

(Markus Breidenich)

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