„martha“

„MARTHA“ (VON R. W. FASSBINDER)

immer im vestibul im viel zu hohen verloren
zwischen marmoremporen und faltenwürfen aus gold
die puppe prego in weiß gepresste schlankheit wie vater

wer dreht zwei menschen im schwindel
über den kies in die hallen? wo hallt die artikulierte
erregung nach in der rüstung? bitte tu doch nicht weinen!

die schleierhaften damen schwarz im barocken rahmen
erzeugen gedämpfte schritte zwischen genagelten sesseln
und lampenschirme und pillen rund um den heiratsantrag

süffisant ist der mund vor fünfzigerjahregeranien
verglast das lächeln hinter abendmahltafeln die gäste
aufgesteckt wie buketts und rosen sittlich erzogen

verkrampfen sich wangen im zwang der vergnügung bitte
einsteigen setzen sie sich und wehr dich nie wieder dagegen
ja natürlich gewiss: fasson darf man nicht verlieren

und jetzt mein herz wohin? es ist ja auch noch nicht dunkel
vorm punktepyjama am pfosten dass du endlich verstehst
wie wunderwunderschön die dunklen peitschenporträts

sture prinzipien plötzlich die knie so eckig zusammen
du musst nicht stottern ich möchte hochwertigen beton
mach uns jetzt keinen kummer mach dich zum opferstock

„wo gott entschieden hat
da kann der mensch
nichts ändern.“

(karin fellner)

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