1
Samstagnacht fällt auf die Ausschwärmenden Regen,
sichtbar im weißen Licht der Straßenlaternen. Nur Pfützen
spiegeln fremdgewordene Häuser, als gäben sie ihnen
ein neues Gesicht. Als wär das alte verschwunden, da
ich soeben nicht hinsah. All das gelingt der Schwerkraft.
Wollen wir Winterschlaf? Das Geheul des Martinshorns
ein paar Straßen weiter. Hier torkeln Betrunkene wie
ertrinkende Vögel, noch mit den Flügeln schlagend und
Fehler machend in diesem Tanz.
2
Führten uns nicht die Möglichkeiten, die sich aus unseren
Fehlern ergaben, zueinander? Und dann der Tagmond,
das Hundsgeheul, die Echos, und jedesmal kommt weniger
von mir wieder heraus. Keine Interpretation, doch:
erträumen wir den, der uns wieder unschuldig werden lässt?
Grab ein Loch in den Nachthimmel, Insomnia, wo
südlicher vereinzelt Sterne stehen. Entfernte Ursachen,
der weiße Atem eines alten Schreis. Kein Zeugnis,
das ist es, was bleibt.
3
Das ist es, was sich entblößt, kältere Schichten auf nassem
Asphalt, umflackert von wildem blauen Licht. Doch
zum Menschen gehört mehr, als das, was ihm geschieht.
Nimm dies Züngeln der porösen Tage: Karaoke am Ostbahnhof
girl, I wanna make you sweat. Ein Stadtstreicher, schon
die halbe Nacht herumgeirrt, hat seine Gedanken satt. Und du.
Traust du dich, ich zu sagen? Verschanzt du dich
hinter einer dritten Person? Benutzt du den Infinitiv?
Im Spiegel steht jemand, der soeben hereingekommen ist.
(Sabina Lorenz)